Kollektive Wahrnehmungsschwäche der HSV – Erfolge

Es darf angesichts anerkannter Lese- und Rechenschwächen in diesem Land niemanden verwundern, dass im Laufe des Sonnabends die Mehrzahl der Fernsehmoderatoren bei der Aufzählung der Champions-League-Anwärter und Bayern-Verfolger – falls es die geben sollte – nur Werder und Schalke auf der Rechnung hatten, nicht aber den HSV. Sieben der neun Begegnungen des elften Bundesligaspieltages waren da absolviert, und auch weniger Geübten hätte in den Sinn kommen können, dass die Hamburger selbst nach einer Niederlage in Duisburg Rang drei nicht mehr verlieren würden. Und der berechtigt zur Teilnahme an der Qualifikation zur Königsklasse.

Weil wir unseren gebührenfinanzierten TV-Kommentatoren gewisse Grundfertigkeiten nicht absprechen wollen – einzige Ausnahme: ZDF-Reporter Rolf Töpperwien, der bei seinem Lieblingsklub Werder Bremen zu den acht in Schalke aufgelaufenen Stammspielern weitere acht vermisste -, muss die Wahrnehmungsschwäche beim Thema HSV andere, möglicherweise tiefer gehende Ursachen haben. Denn die zieht sich bei den Sendern durch die gesamte Saison. Das werbefinanzierte DSF gab am vergangenen Donnerstag im Uefa-Cup das krasseste Beispiel der Ignoranz, als es den Leverkusenern mehr als dreimal so viel Darstellungszeit einräumte wie den Hamburgern. Dabei hat der HSV alles, was medial tauglich sein sollte: lange Tradition, einzigartiges Bundesliga-Dinosauriertum, internationale Stars, eine hochmoderne Freiluftbühne, eine weltweit große Anhängerschar, europäische Wettbewerbsfähigkeit, einen knurrigen Trainer wie einen meist freundlichen Sportchef.

Ist es die Randlage in der Republik, das maritime Klima, fälschlicherweise kolportierter Sonnenscheinmangel (Hamburg hat laut Statistik mehr Sonnenstunden als München!) oder, das wäre zu akzeptieren, die fehlende sportliche Konstanz des HSV in den vergangenen Jahren? Weil es in einer Medienwelt und vor allem den Sponsoren nicht egal sein kann, dass die Wahrheit nur auf dem Platz zu sehen ist, bleibt dem HSV weiter bloß eine Chance, um öfter aufzufallen: siegen, siegen, siegen. Auch mal derart glanzlos wie in Duisburg.

Von Rainer Grünberg

erschienen am 29. Oktober 2007

Quelle: http://www.abendblatt.de/daten/2007/10/29/809905.html

6 Kommentare zu “Kollektive Wahrnehmungsschwäche der HSV – Erfolge”

  1. andi ommsen Says:

    grosser artikel- einfach nur zustimmung

  2. Maikelix Says:

    Der Artikel stimmt völlig – gestern sagte im Doppelpass jemand “Werder und Schalke, die beiden einzigen Bayern-Jäger….” lasst die man alle reden von Schalke, Werder und so, vielleicht mit ganz ganz viel Glück machen wir das dann diese Saison so, wie Suttgart letzte Saison – niemand mit einen so richtig war und am Ende hält der Kapitän die Schale hoch……

    Naja, vielleicht etwas viel Träumerei, aber das wird ja wohl mal erlaubt sein!

  3. El Socio Says:

    Sollange unser Kapitän das Ding dann richtig herum hält … ;)

  4. andi ommsen Says:

    lieber nicht hochhalten, weil dann bin ich ne woche in hh verschollen…
    und das erklär mal zuhause……

  5. Maikelix Says:

    Schreib `ne Karte, dass Du auf der Rickmer Rickmers angeheuert hast und erst wieder abheuern darfst, wenn Du das Deck geschrubbt hast….

  6. doc Says:

    guckst du hier:

    http://de.eurosport.yahoo.com/29102007/30/bayern-trainer-hitzfeld-kritisiert-dfl-spielplan.html

    ottmar jault nach mittelscheitel-skibbe jetzt auch. das problem hat der hsv nun schon häufiger gehabt und wird gegen unsere grün-weissen “freunde” am 1.12. wieder akut, wird aber in der öffentlichkeit nicht wahrgenommen. da stimmt doch was nicht.
    gruß
    michael moore

Kommentar

arslan